Larvierte Depression
Larvierte Depression, auch als maskierte oder somatisierte Depression bezeichnet, beschreibt eine depressive Erkrankung, bei der die eigentliche depressive Symptomatik hinter körperlichen, unspezifischen Beschwerden verborgen bleibt. Sie ist dabei kein eigenständiges Krankheitsbild nach ICD-10, sondern eine Erscheinungsform einer depressiven Episode, bei der somatische Beschwerden im Vordergrund stehen, während klassische Stimmungssymptome wie anhaltende Traurigkeit oder Freudlosigkeit kaum auffallen oder von Betroffenen selbst nicht als solche erkannt werden.
Typisch sind chronische, organisch nicht ausreichend erklärbare Beschwerden wie Magen-Darm-Beschwerden, Schlafprobleme, innere Unruhe, diffuse Schmerzen, Schwindel oder Herz-Kreislauf-Symptome. Daneben finden sich meist auch verminderter Antrieb, Konzentrationsschwierigkeiten oder Reizbarkeit, die jedoch gegenüber den körperlichen Beschwerden deutlich in den Hintergrund treten. Da Betroffene wegen dieser Symptome zunächst häufig eine rein körperliche Abklärung suchen, wird die zugrunde liegende depressive Störung oft lange nicht erkannt und mitunter fälschlich in Richtung einer hypochondrischen oder rein somatischen Erkrankung eingeordnet.
Diagnostisch ist daher eine besonders sorgfältige Abgrenzung wichtig: Zunächst müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, anschließend erfolgt die Unterscheidung von verwandten Bildern wie der atypischen Depression, die sich eher durch gesteigerten Appetit und Schlafbedürfnis zeigt, einer dissoziativen Störung oder depressiven Phasen im Rahmen einer bipolaren Störung. Die eigentliche Diagnose stützt sich auf ein ausführliches ärztliches und psychotherapeutisches Gespräch, in dem die körperlichen Beschwerden gemeinsam mit möglichen zugrunde liegenden depressiven Symptomen betrachtet werden.
Die Ursachen entsprechen weitgehend denen anderer depressiver Störungen, also einem Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren (man spricht auch von multifaktoriell). Häufig kommt hinzu, dass Betroffene gelernt haben, seelische Belastung eher körperlich als emotional auszudrücken, etwa weil in der eigenen Biografie oder im familiären Umfeld für Gefühle wenig Raum war.
In der Behandlung hat sich vor allem die Psychotherapie bewährt, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, die dabei hilft, den Zusammenhang zwischen körperlichem Erleben und seelischer Belastung zu erkennen. Je nach Schweregrad kann ergänzend eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva sinnvoll sein. Mit einer fachgerechten Diagnose und ganzheitlichen Behandlung ist die Prognose in der Regel gut. Essenziell ist vor allem, dass Betroffene mit ihren körperlichen Beschwerden ernst genommen werden, statt sich als Einbildung abgetan zu fühlen.