Umgang mit ADHS-Erkrankten – Tipps für Angehörige

ADHS ist heute zwar vielen ein Begriff, aber meist fälschlicherweise nur im Zusammenhang mit Kindern … und dabei ist ADHS im Erwachsenenalter längst keine Seltenheit mehr, wird heutzutage nur viel besser diagnostiziert als früher! Doch wenn plötzlich ein erwachsener Mensch im nahen Umfeld betroffen ist, bleiben oft Fragen: Wie zeigt sich ADHS im Alltag? Wie kann man helfen, ohne sich selbst zu verlieren? Erfahren Sie, wie Sie einen Angehörigen entlastend begleiten und zugleich auf sich selbst achten können.

Zwei Frauen laufen zusammen und reden miteinander.

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Therapeut spricht mit einer Patientin vor der Klinik

Was bedeutet ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und ist eine neurobiologisch bedingte Störung, bei der die Regulation von Aufmerksamkeit, Impulsen und Aktivität beeinträchtigt ist. Sie beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln und kann je nach Ausprägung zu innerer Unruhe, Ablenkbarkeit oder impulsivem Verhalten führen. Anders als oft vermutet, ist ADHS keine Frage des Willens oder der Disziplin, sondern eine medizinisch erklärbare Erkrankung mit anerkannten Diagnosekriterien.

Franka Stuckatz, Psychologische Psychotherapeutin, in der Einzeltherapie

ADHS im Erwachsenenalter erkennen und verstehen

ADHS wird bei Erwachsenen häufig übersehen, denn die Symptome zeigen sich oft anders als im Kindesalter. Während bei Kindern vor allem motorische Unruhe auffällt, stehen bei Erwachsenen meist innere Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, impulsives Verhalten und Probleme mit Organisation und Alltagsstrukturen im Vordergrund. Auch emotionale Schwankungen, Konflikte im sozialen Umfeld und anhaltende Selbstzweifel sind häufig. Viele Betroffene wissen lange nicht, woher ihre Belastung rührt, bis eine fachkundige Diagnose endlich Klarheit schafft und Wege zur Entlastung aufzeigt.

Eine Frau sitzt aufmerksam in einem Stuhl in einem Raum mit Fenster und Vorhängen.

Wie Angehörige im Alltag helfen können

Verlässliche Strukturen, eine klare Kommunikation und ein verständnisvoller Umgang können den Alltag mit ADHS erleichtern. Gleichzeitig ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu respektieren. Folgende Empfehlungen haben sich bewährt:

  • Sprechen Sie ruhig und konkret, besonders in stressigen Momenten
  • Unterstützen Sie bei der Organisation von Aufgaben, ohne zu kontrollieren
  • Erinnern Sie an Erfolge und Fortschritte, nicht nur an das, was als Problem erlebt wird
  • Verzichten Sie auf Schuldzuweisungen und vermeiden Sie Überforderung

Soforthilfe für den Alltag mit ADHS-Erkrankten

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Weitere Informationen zum Umgang mit ADHS-Betroffenen

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Viele Erwachsene mit ADHS haben sich über Jahre eigene Strategien angeeignet und erleben ihr Verhalten nicht als behandlungsbedürftig. Manche deuten ihre Symptome als persönliche Schwäche oder haben schlechte Erfahrungen gemacht. Ein erster Tipp: Vermeiden Sie es, direkt mit einer Diagnose oder Kritik einzusteigen. Sprechen Sie lieber über konkrete Situationen im Alltag, die wiederholt belastend sind – für die betroffene Person und auch für Sie selbst. Eine Ich-Botschaft wie „Ich habe das Gefühl, dass du oft unter Strom stehst und kaum zur Ruhe kommst“ kann der Türöffner sein. Therapie sollte nicht als Korrektur, sondern als Chance zur Entlastung und Selbststärkung dargestellt werden. Auch ein erstes unverbindliches Informationsgespräch kann bereits helfen. Eltern, Partner, Kollegen oder enge Freunde können begleiten, aber nicht drängen. Wichtig ist, offen zu bleiben und die Entscheidung dem Gegenüber zu überlassen.

ADHS kann sich im Berufsleben auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Betroffene zeigen zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Strukturierung von Aufgaben, ein erhöhtes Ablenkungspotenzial oder impulsive Reaktionen in Gesprächen. Gleichzeitig verfügen viele Menschen mit ADHS über große Kreativität, hohe Energie und eine ausgeprägte Problemlösungsfähigkeit. Um ein produktives und wertschätzendes Miteinander zu fördern, ist ein bewusster Umgang mit diesen Besonderheiten entscheidend.

1. Verständnis fördern statt vorschnell zu urteilen

Unkonzentriertheit, wiederholtes Vergessen oder Unruhe werden im Arbeitsalltag oft als Nachlässigkeit oder Desinteresse fehlgedeutet. Ein erster Schritt besteht darin, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen, sondern mögliche Hintergründe zu berücksichtigen. Dies schafft Raum für mehr Gelassenheit im Umgang.

2. Strukturen schaffen und klar kommunizieren

Menschen mit ADHS profitieren von klaren Rahmenbedingungen. Dazu gehören verständliche Aufgabenstellungen, schriftlich fixierte Absprachen, transparente Zeitpläne und möglichst wenig Reizüberflutung im Arbeitsumfeld. Auch regelmäßiges, sachliches Feedback in ruhiger Atmosphäre trägt dazu bei, Orientierung und Sicherheit zu geben.

3. Zusammenarbeit individuell gestalten

Wenn ein offenes Vertrauensverhältnis besteht, kann ein persönliches Gespräch sinnvoll sein, um gemeinsam herauszufinden, welche Arbeitsformen unterstützend wirken. Fragen wie „Was hilft dir, fokussiert zu bleiben?“ oder „Wie können wir Aufgaben so strukturieren, dass sie für dich machbar sind?“ schaffen eine Grundlage für individuelle Lösungen.

4. Eigene Grenzen wahren und klar bleiben

Ein wertschätzender Umgang bedeutet nicht, alle Schwierigkeiten auszugleichen. Auch die Bedürfnisse und Belastungsgrenzen der Kollegen ohne ADHS sind wichtig. Klare Kommunikation, verbindliche Regeln und gegenseitiger Respekt helfen, ein Gleichgewicht zu schaffen, das allen gerecht wird.

5. Unterstützung aktiv ansprechen

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, auf externe Unterstützungsangebote hinzuweisen – etwa durch betriebliche Gesundheitsberatung oder Coaching. Entscheidend ist, dies nicht als Kritik zu formulieren, sondern als Angebot zur gemeinsamen Entlastung.

Die Behandlung von ADHS in den Vincera Privatkliniken richtet sich an Erwachsene und erfolgt ganzheitlich sowie individuell abgestimmt. Grundlage ist eine umfassende Diagnostik, bei der auch mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.

ADHS wird dabei in der Regel als Nebendiagnose behandelt, das heißt im Kontext weiterer psychischer Belastungen wie Depressionen, Ängsten oder Erschöpfung. Der Therapieplan kombiniert verhaltenstherapeutische Einzel- und Gruppensitzungen, psychoedukative Angebote, Unterstützung bei Selbstorganisation, Entspannungsverfahren, Bewegungstherapie und bei Bedarf eine medikamentöse Begleitung.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung von Selbststeuerung, Struktur und emotionaler Stabilität.