Persönlichkeitsstörungen – Warnsignale bei Angehörigen erkennen

Wenn sich ein nahestehender Mensch in seiner Persönlichkeit verändert, kann das für Angehörige schwer zu verstehen und einzuordnen sein. Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung empfinden, handeln und reagieren oft anders, als es ihr soziales Umfeld erwartet. Das kann zu Konflikten, Rückzug oder Missverständnissen, aber auch zu großen Problemen in Beziehungen, im Arbeitsleben oder im Alltag führen. Solche Veränderungen sind kein Zeichen von Charakterschwäche, sondern Ausdruck einer psychischen Erkrankung, die tief in der Persönlichkeit verankert ist. Erfahren Sie, wie Sie Warnsignale frühzeitig erkennen, unterstützend reagieren und wann professionelle Hilfe notwendig wird.

Eine Patientin mit Persönlichkeitsstörung und ihre Psychotherapeutin sitzen auf einer Parkbank.

Wir sind für Sie da: kompetente Hilfe bei der Wahl der richtigen Therapie.

Eine Patientin mit Persönlichkeitsstörung bei der Therapie

Was sind Persönlichkeitsstörungen?

Persönlichkeitsstörungen beeinträchtigen das Denken, Fühlen und/oder Handeln eines Menschen in negativer Form. Sie stellen sich als langfristige Muster von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen dar. Welche deutlich „von der Norm“ oder gesellschaftlichen Erwartungen abweichen, beständig sind, das soziale Leben, Beziehungen, den Alltag oder den Beruf erschweren und in mehreren Bereichen der Kognition, Affektivität, Impulskontrolle oder Interaktion auftreten können. Das standardisierte Kodierungssystem für Erkrankungen (ICD-10) gruppiert diese Störungen in unterschiedliche Kategorien wie etwa die emotional instabile (Borderline-)Persönlichkeitsstörung, die narzisstische, die antisoziale, die ängstlich-vermeidende oder die histrionische Persönlichkeitsstörung. Das „Erscheinungsbild“ dieser Erkrankungen ist sehr individuell und komplex und die Ursachen liegen häufig tief verborgen. Betroffene empfinden ihr Verhalten meist als selbstverständlich, während das Umfeld die Veränderungen und das Handeln mitunter als extrem belastend wahrnimmt.

Eine Patientenmanagerin sitzt mit einer Patientin an einem Tisch und erklärt ihr etwas.

Frühe Warnsignale einer Persönlichkeitsstörung erkennen

Spezifische Veränderungen in der Persönlichkeit und in Verhaltensweisen treten meist nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich schleichend. Symptome wie Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Misstrauen, starke Selbstzweifel, Unberechenbarkeit, übermäßige Ängstlichkeit, Emotionalität oder Schwierigkeiten im Umgang mit Nähe und Distanz sind häufige Anzeichen – vor allem, wenn sie lang anhaltend oder regelmäßig wiederkehrend sind. Manche Betroffene wirken in zwischenmenschlichen Beziehungen ausgeprägt kontrollierend, impulsiv oder überkritisch; andere wiederum ziehen sich zurück, meiden Kontakte oder reagieren überfordert auf Alltagssituationen. Auch eine auffällige Selbstwahrnehmung, wie z. B. ein extremes Bedürfnis nach Anerkennung oder das Gefühl, minderwertig zu sein, kann auf eine Persönlichkeitsstörung hinweisen. Wenn Sie bemerken, dass sich das Verhalten Ihres Angehörigen dauerhaft negativ verändert und Konflikte zunehmen, sollten Sie wachsam sein und professionellen Rat einholen. Haus- und Fachärzte, spezialisierte Kliniken und Psychotherapeuten können Sie und Ihren Angehörigen unterstützen.   

Zwei junge Frauen laufen durch einen Innenhof und unterhalten sich.

Rolle von Angehörigen bei der Erkennung von Persönlichkeitsstörungen

Angehörige stehen oft unter hohem emotionalem Druck, da sie zwischen Mitgefühl, Hilflosigkeit und Erschöpfung schwanken, aber häufig auch Wut und Unverständnis wegen dieser „gestörten“ Verhaltensweisen empfinden. Versuchen Sie, die Situation nicht zu ignorieren, sondern zu thematisieren: Dabei ist es wichtig, Grenzen zu wahren, ohne aber den Kontakt abzubrechen. Versuchen Sie, die Verhaltensweisen Ihres Angehörigen nicht persönlich zu nehmen, sondern als Ausdruck einer inneren Belastung zu verstehen, denn dieses Denken und Handeln ist häufig nur die Folge von tief liegenden inneren, unverarbeiteten Konflikten oder Erlebnissen. Emotionale Stabilität und Verlässlichkeit helfen, Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig sollten Sie eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen: Gespräche mit Fachleuten oder der Austausch in Angehörigengruppen können helfen, die Dynamik besser zu verstehen und Wege im Umgang mit der Situation zu finden. Eine professionelle Behandlung kann entscheidend dazu beitragen, die Symptome zu stabilisieren und die Lebensqualität aller Beteiligten zu verbessern. Hier finden Sie mehr Informationen zum Umgang mit einem Menschen, der an einer Persönlichkeitsstörung erkrankt ist.

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