Umgang mit Bulimie-Erkrankten – Tipps für Angehörige

Menschen mit Bulimie leiden oft im Verborgenen und das häufig über einen langen Zeitraum hinweg. Für Angehörige ist es oftmals gar nicht ersichtlich, dass ein Betroffener an einer Essstörung erkrankt ist! Wenn aber dann erste Anzeichen sichtbar werden, hat die Krankheit häufig bereits ein gefährliches Ausmaß angenommen. Für Angehörige ist es daher schwer, die richtige Balance zwischen Eingeständnis, Verständnis, Nähe, Unterstützung und Abgrenzung zu finden. Hier finden Sie zur Orientierung mehr Informationen über und konkrete Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Menschen, die an Bulimie erkrankt sind.

Ein Therapeut macht sich Notizen auf seinem Klemmbrett.

Wir sind für Sie da: kompetente Hilfe bei der Wahl der richtigen Therapie.

Ein Psychotherapeut spricht mit einer Bulimie-Patientin

Was ist Bulimie?

Die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) ist eine psychische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden Essanfällen kommt, gefolgt von kompensatorischen Maßnahmen wie Erbrechen, Fasten oder exzessivem Sport. Die Betroffenen leiden häufig unter einem gestörten Körperbild, einer schlechten Selbstwahrnehmung und starkem Schamgefühl. Aber auch biologische, soziale oder kulturelle Faktoren können Mitursachen für eine Bulimie sein, die häufig auch im Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder ADHS auftaucht. Im Gegensatz zur Magersucht bleibt die Erkrankung körperlich oft lange unbemerkt – seelisch zeigt sie sich durch hohen Leidensdruck, Selbstwertprobleme und Kontrollverlust.

Gesprächsrunde zwischen Angehörigen

Wie kann ich als Angehöriger helfen?

Bulimie ist mit viel Scham behaftet. Mit Druck, Kontrolle oder Konfrontation darauf zu reagieren, führt meist zu Rückzug. Besser helfen:

  • Zeigen Sie echtes Interesse, nicht Kontrolle
  • Sprechen Sie Gefühle an, nicht nur das Verhalten
  • Verzichten Sie auf Kommentare zu Körper oder Essen
  • Bieten Sie Gespräche an – geduldig und ohne Erwartungen
  • Regen Sie eine Therapie an, wenn Offenheit besteht
Eine Einzeltherapiesitzung bei der sich Patientin und Arzt in Sesseln gegenübersitzen.

Wenn Unterstützung von außen wichtig wird

Bulimie wird oft viele Jahre geheim gehalten. Erkrankte entwickeln über die Zeit hinweg Strategien und Verhaltensweisen, die ihre Essstörung nahezu „unsichtbar“ werden lassen. Häufig sind es dann die Impulse aus dem Umfeld, die die Betroffenen dazu anregen, sich professionelle Unterstützung zu suchen, um so die destruktiven Verhaltensmuster zu durchbrechen. Als Angehöriger können Sie helfen, erste Schritte zu gehen: Geben Sie aber Acht darauf, dass Sie selbst dabei nicht zu stark belastet werden, teilen Sie die Verantwortung und vertrauen auch Sie sich jemandem an, falls Sie die Situation überfordert.

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Weitere Informationen zum Umgang mit Bulimie-Erkrankten

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Sprechen Sie in einem ruhigen Moment über Ihre Beobachtungen und Sorgen – nicht über Essen oder Gewicht. Vermeiden Sie Vorwürfe. Sagen Sie zum Beispiel: „Ich mache mir Gedanken, weil du sehr erschöpft wirkst.“ Seien Sie offen für ein Gespräch, ohne zu drängen, und stellen Sie sich der Situation wertfrei.

Ein häufiger Irrglaube ist, dass strenge Regeln oder Kontrolle dabei helfen, das Essverhalten einer an Bulimie erkrankten Person zu regulieren. Diese Maßnahmen können das Gefühl der Scham und Isolation noch verstärken, da die betroffene Person sich vermehrt unter Druck gesetzt fühlt. Stattdessen stellt sich eine offene Kommunikation über Emotionen als wesentlich zielführender heraus. Es ist hilfreich, Unterstützung in der Form anzubieten, die für die Person am sinnvollsten erscheint, indem man gemeinsam bespricht, welche Art von Hilfe gewünscht und akzeptiert wird. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle, da es Raum schafft für ehrliche Gespräche und die Basis für ein gesundes Umfeld bildet. Durch dieses Verständnis und die respektvolle Herangehensweise können Angehörige ein stützendes und sicheres Umfeld bieten, in dem die betroffene Person sich nicht verurteilt oder missverstanden fühlt.

Die regelmäßigen Muster von unkontrollierbaren Essanfällen, begleitet von zwanghaftem Erbrechen oder anderen kompensatorischen Verhaltensweisen, sind oft klare Anzeichen dafür, dass professionelle Unterstützung notwendig ist. Wenn das Essverhalten einer betroffenen Person nicht nur wiederholt auftritt, sondern auch die Alltagsfunktionen beeinträchtigt oder die Lebensqualität merklich mindert, ist es entscheidend, frühzeitig einen Spezialisten aufzusuchen. Es ist besonders wichtig, dass Angehörige die Symptome ernst nehmen und nicht auf eine Besserung ohne Intervention hoffen, da unbehandelte Bulimie ernsthafte körperliche und psychische Schäden zur Folge haben kann. Professionelle Kliniken bieten sichere Räume, um nicht nur die Symptome der Krankheit zu behandeln, sondern auch die zugrundeliegenden Ursachen in einem therapeutischen Setting aufzuarbeiten.

Belasten Sie sich nicht allein. Holen Sie sich Informationen, suchen Sie Austausch: Nur wenn Sie sich selbst gut versorgen, können Sie auch stabil für andere da sein. Sprechen Sie mit Vertrauten oder suchen Sie sich professionellen Rat, falls die Situation Sie zu stark belastet – auch Angehörigengruppen können eine gute, unterstützende erste Anlaufstelle sein.