Essstörungen gelten noch immer als typische „Frauenkrankheit“. Doch diese Vorstellung ist veraltet und vor allem auch gefährlich. Auch Männer können unter Essstörungen leiden – tun dies jedoch oft im Verborgenen. Scham, gesellschaftliche Tabus und stereotype Männerbilder erschweren den offenen Umgang mit dem Thema. Dabei ist Aufklärung der erste Schritt, um Betroffenen zu helfen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für eine Essstörung bei Männern sind vielschichtig. Oft spielen gesellschaftliche Vorstellungen von Körperidealen, insbesondere das Bild des starken, muskulösen Mannes, eine zentrale Rolle. Social Media, Werbung und Fitnesskultur verstärken den Druck.
Zudem können psychische Belastungen, wie mangelndes Selbstwertgefühl, Depressionen oder Angsterkrankungen, das Risiko für eine Essstörung erhöhen. Auch Leistungsdruck im Beruf oder Sport kann ein auslösender Faktor sein. Anders als bei Frauen steht bei Männern nicht immer der Wunsch nach Schlankheit, sondern eher der nach Kontrolle oder Perfektion im Vordergrund.
Formen von Essstörungen bei Männern
Männer können von denselben Essstörungen betroffen sein wie Frauen, zeigen aber häufig andere Ausprägungen:
- Magersucht (Anorexia nervosa): Starkes Untergewicht, zwanghafte Kontrolle des Essverhaltens und intensive Angst vor Gewichtszunahme. Bei Männern tritt Magersucht häufig mit Überbetonung sportlicher Aktivität auf.
- Bulimie (Bulimia nervosa): Essanfälle mit anschließendem Erbrechen oder exzessivem Sport zur Gewichtskontrolle. Häufig bleibt diese Störung lange unentdeckt.
- Binge-Eating-Störung: Wiederholte Essanfälle ohne kompensatorisches Verhalten. Sie führt häufig zu Übergewicht oder Adipositas.
- Muskelsucht (Muscle Dysmorphia): Eine Variante der Körperschemastörung, bei der Männer sich trotz trainierter Körperform als zu dünn oder schwach empfinden. Diese Störung geht oft mit übermäßigem Training, strikten Diäten oder der (übermäßigen) Einnahme von Supplementen einher.

Symptome und Auswirkungen
Auffällig sind z. B. exzessives Training, Diäthalten trotz Normal- oder Untergewicht oder starke Stimmungsschwankungen. Auch der soziale Rückzug, ständiges Kalorienzählen oder Schuldgefühle nach dem Essen sind Warnzeichen.
Unbehandelt können Essstörungen schwerwiegende körperliche und psychische Folgen haben: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Mangelerscheinungen, depressive Verstimmungen oder Suchtentwicklungen sind möglich und, das ist wichtig zu betonen, in diesen Fällen nicht selten.
Behandlung und Unterstützung
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend. Doch Männer suchen oft später Hilfe – aus Angst vor Stigmatisierung. Umso wichtiger ist ein offenes Gespräch mit diskreten Fachpersonen. Psychotherapeutische Verfahren, Ernährungsberatung und bei Bedarf medizinische Betreuung können helfen, die Störung zu überwinden.
Ein wichtiger Teil der Behandlung ist auch der Umgang mit dem eigenen Körperbild. Die Therapie zielt darauf ab, unrealistische Ideale zu hinterfragen und einen gesunden Umgang mit Essen und Körper zu fördern.

Perspektiven für Betroffene
Männer mit Essstörung brauchen gesellschaftliche Anerkennung für ihr Leid und professionelle Unterstützung. Beratungsstellen, Therapieangebote und Selbsthilfegruppen helfen dabei, den ersten Schritt zu gehen. Ebenso entscheidend ist das soziale Umfeld: Familie, Freunde und Kollegen sollten sensibilisiert werden, um Betroffene nicht zu übersehen.
Je früher eine Essstörung erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Ein bewusster Umgang mit Körperbildern und Emotionen ist dabei ein wichtiger Schlüssel – für mehr Offenheit, Verständnis und Gesundheit.
Falls Sie das Gefühl haben, betroffen zu sein, machen Sie unseren Selbsttest zum Thema Essstörungen oder kontaktieren Sie das Patientenmanagement unserer Vincera Privatkliniken.






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